
Es liegt etwas Tröstliches im Sommer. Die Tage werden weiter, der Alltag verliert an Schwere, und manches fühlt sich plötzlich einfacher an.
Manchmal werden wir gerade dann daran erinnert, wie wenig sich das Leben planen lässt.
Wie verletzlich wir selbst sind und wie fragil unsere Lebensentwürfe.
Wir können uns jahrelang mit dem Konzept von Polyamorie befassen, Absprachen finden und Wege gehen, um mit Herausforderungen umzugehen.
Nur, um dann zu merken, dass mehr Sicherheit in der Beziehung nicht unbedingt dazu führt, dass das Loslassen leichter wird. Sondern im Gegenteil uns noch offener macht, noch verletzlicher, noch eher an alte Wunden rührt, die wir früher so gut zudecken konnten. Weil wir uns noch nicht so nah waren.
Oder wir nach jahrelange Ringen um eine stabile Beziehungskonstellation mit Partner und Geliebten doch an den Punkt kommen: es geht nicht mehr. Statt langsam, aber stetig immer leichter zu werden, zehrt es an unseren Kräften, zieht unsere Ressourcen und es gibt keinen Ausblick darauf, dass sich daran etwas ändern wird.
„War doch klar, dass so etwas nicht funktioniert“.
„Wie habt ihr euch denn vorgestellt, dass das läuft? Menschen sind nun mal monogam, das liegt in ihrer Natur!“
Sich dann gegen all diese Stimmen zu wehren, mögen sie von außen oder tief in einem selbst verankert sein, ist nicht leicht.
Dennoch: es geht nicht darum, was „natürlich“ oder „richtig“ für alle ist.
Sondern einzig und allein, was für dich, für deine Beziehung, für eure Ressourcen und Rahmenbedingungen, das momentan „Stimmige“ ist.
Auch Paare, deren (unausgesprochene) Vereinbarung emotionale und körperliche Exklusivität heißt, sind nicht dagegen gefeit, dass ihr Beziehungsleben plötzlich auf den Kopf gestellt wird und alle Gewissheiten in Frage stehen. Oder dass sich bei einer Person irgendwann die Frage einstellt: wer bin ich eigentlich noch?
„Wir haben alle mehrere Identitäten, aber in unseren festen Paarbeziehungen neigen wir dazu, diese Komplexität auf eine Schrumpfversion unserer selbst zu reduzieren“, so drückt es Esther Perel aus (1).
Wie lassen sich die Anteile, die im Laufe der Zeit kleiner geworden oder ganz verloren gegangen sind, wieder integrieren?
Was ist, wenn (sexuelle) Wünsche dazukommen, die sich in der Paarbeziehung nicht erfüllen lassen?
Könnte dann eine Öffnung der Beziehung eine Option sein?
Es lohnt sich auf jeden Fall, darüber zu sprechen. Denn Stabilität in der Beziehung heißt nicht Starre, sondern flexibel auf Veränderungen reagieren zu können und den Rahmen immer wieder neu anzupassen.
Der Sommer lädt dazu ein, das Leben etwas weniger festzuhalten. Pläne dürfen sich verschieben, Tage länger werden als gedacht, Begegnungen entstehen zufällig. Vielleicht erinnert uns gerade diese Jahreszeit daran, dass das Leben sich nie ganz planen lässt – und dass darin nicht nur Unsicherheit liegt, sondern auch etwas Lebendiges.
Ich wünsche euch noch einen fantastischen Sommer mit ganz viel Lebendigkeit und freue mich, euch beim Workshop oder in der Beratung zu begegnen 🙂
In meinem Workshop „An der Schwelle – Beziehungsöffnung bewusst gestalten“ am 28. August lade ich euch ein, genau darüber ins Gespräch zu kommen.
Egal, ob ihr euch mitten im Öffnungsprozess befindet oder ob ihr das Thema nur einmal angestupst habt. Ob ihr zu zweit kommt oder alleine. Ob ihr die Person seid, die die Öffnung herbei sehnt oder diejenige, die plötzlich damit konfrontiert wurde.
Es wird eine kleine Einführung, viele Impulsfragen und Raum zum Austausch geben.
Wenn ihr euch tiefergehende Unterstützung wünscht, das Datum nicht passt, oder ihr Gespräche im 1:1- bzw. 1:2-Kontakt bevorzugt, meldet euch gern bei mir und wir finden in einem Erstgespräch heraus, wie ich euch begleiten kann.
(1): Perel, Esther: Was Liebe braucht. Untreue überdenken. Ein Buch für alle, die jemals geliebt haben. 3. Auflage 2024. Hamburg (Harper Collins).